Mittelbayerische Zeitung: Concert Review

Von RANDOLF JESCHEK, MZ

REGENSBURG. Der Rosenroman von Guillaume de Lorris und Jean de Meung aus dem 13. Jahrhundert ist das zentrale literarische Ereignis des Mittelalters. Kein anderer Text der Zeit hat Denken und Dichtung bis weit übers Mittelalter – und auch über Frankreich – hinaus so beeinflusst wie dieser allegorische Versroman, diese umfassende Darstellung der (höfischen) Liebe mit all ihren Schattierungen. Im Zentrum steht die Geliebte, im Symbol der Rose der Typ der höfischen Frau. Das amerikanische Ensemble Asteria – das sind die Sopranistin Sylvia Rhyne und der auch singende Lautenist bzw. auch Laute spielende Tenor Eric Redlinger – machte sich am Montagnachmittag im Runtingersaal mit musikalischen Mitteln daran, im Namen der Rose der Frage nachzuspüren, wie man nach allen sittsamen Regeln der Kunst die Gunst der Angebeteten erringe, oder wie es Eckhard Henscheid heute formuliert: wie man eine Dame verräumt.

Das ging damals angeblich mit treuem Dienst und eifrigem Gehorsam, mit schmachtenden Seufzern und zärtlichen Gedanken, süßer Hoffnung und blumigen Worten, mit schmeichelnder Stimme und zierlichen Gebärden. Das Duo Asteria setzte alles daran, in diesem Sinne die wohl zusammengestellten Lieder und Chansons der Zeit mit sanftem Wohlklang und artigen Bewegungen zu inszenieren, wunderschöne Musik von Guillaume Dufay, Gilles Binchois, Robert Morton u.a. für ein bis zwei Stimmen, meist mit leiser Lautenstütze. Silvia Rhyne setzte dabei ihren warmen, beweglichen, geschmeidigen und auch im äußersten Piano tragfähigen Sopran wohlüberlegt in Szene; absoluter Höhepunkt: „Dueil Angoisseux“ von Christine de Pisan (Text) und Gilles Binchois (Musik), eine anrührende und zu Herzen gehende Klage, wunderbar gestaltet.

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