Merkur, Wiesbach: “Emotionale Reise ins Mittelalter”

Von THOMAS FÜßLER

Eindrucksvolles Benefiz-Konzert von Asteria in Wiesbach

Wie lebendig mittelalterliche Musik sein kann, bewies das amerikanische Duo Asteria bei einem Benefiz-Konzert in Wiesbach für die Carl-Orff-Grundschule. Das Besondere: Eric Redlinger und Sylvia Rhyne wagten sich an eigene, emotionale Interpretationen mittelalterlicher Liebeslieder.

Mit stehenden Ovationen wurden Eric Redlinger und Sylvia Rhyne am Ende ihres 75-minütigen Benefiz-Konzertes am Sonntagabend in der Wiesbacher protestantischen Kirche belohnt. Zuvor erlebten die Zuhörer im voll besetzten Kirchenschiff ein Konzert, das von ausgesprochener Qualität geprägt war. Das Konzert kam auf Initiative der Patton-Pluszcyk-Stifung zustande, deren Gründerin, Helen Patton, in Käshofen lebt. Seit 2004 werden Asteria für ihre Interpretationen Alter Musik in Amerika mit Auszeichnungen überhäuft. Auch ihre beiden CD´s ernteten ausschließlich Lob.

Ihren Erfolg erklären beide übereinstimmend aus einem besonderen Wagnis. “Meistens gehen Musiker beim Spiel mittelalterlicher Musik mit äußerster Vorsicht vor”, berichtet Eric Redlinger. “Bisher ging man davon aus, dass die Texte der mittelalterlichen Liebeslieder dazu dienten, die jeweiligen Töne zu interpretieren. Weil wir naturgemäß nur so wenig über die mittelalterliche Musik wissen, konzentrieren sich andere Musiker nur auf die vorhandenen Noten. Dabei war das französische Mittelalter im 15. Jahrhundert eine sehr emotionale Zeitspanne. Die Menschen übertrumpften sich beispielsweise mit Ehrerbietungen, wenn sie sich begegneten. Wir versuchen deshalb, den Liebesliedern dieser Zeit eine starke emotionale Note zu verleihen, die wir aus unseren zeitalterlichen Forschungen ermittelt haben.”

Dieser interpretatorische Ansatz erklärt aber nicht alleine die emotionale Intensität, die entsteht, wenn Redlinger wie in Wiesbach seiner Laute auch noch die leisesten Klänge deutlich hörbar entlockt, während Sylvia Rhyne von den Zeiten der Liebe im Mittelalter singt. Das Geheimnis der Intensität ihrer Konzerte liegt in der Liebe, die im New Yorker Central-Park zwischen den Protagonisten von Asteria gewachsen ist.

“Schon meine Mutter sang alte Musik. Ich hingegen wollte an den Broadway, um Musicals zu singen. Dann hörte ich, dass Eric eine echte Laute besaß, und ich wollte ihn spielen hören. Wir trafen uns im Central-Park, ich sang, und wir spürten gemeinsam die Emotionen, die in dieser Musik verborgen sind”, verrät Sylvia Rhyme, die seit August mit Eric Redlinger verheiratet ist.

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